VdK-Pressemeldung 2.12.2016

Gemeinsame Erklärung: Großes Verbändebündnis macht sich für ein barrierefreies Deutschland stark

Berlin, 2.12.2016 - In einer gemeinsamen Erklärung fordert der Sozialverband VdK Deutschland mit anderen Verbraucher-, Sozial- und Wohlfahrtsverbänden die Bundesregierung auf, umfassende Barrierefreiheit, also die Zugänglichkeit aller Lebensbereiche, für Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigungen herzustellen.

Bereits 2009 hat sich die Bundesrepublik mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, geeignete Maßnahmen für eine barrierefreie Gesellschaft zu treffen. Vor diesem Hintergrund ist es aus Sicht der Verbände unverständlich, dass bisherige Gesetzesänderungen noch lange nicht alle Vorgaben erfüllen. Solange etwa die privaten Anbieter von Gütern und Dienstleistungen von der Verpflichtung zur Barrierefreiheit ausgenommen bleiben, sind Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigungen als Kunden und Patienten benachteiligt. Die Verbände fordern konkret, alle Lebensbereiche so zu gestalten, dass sie auch von allen Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung, genutzt werden können: öffentlich zugängliche Gebäude, Wohnungen und medizinische sowie pflegerische Einrichtungen ebenso wie Verkehrsanlagen und Verkehrsmittel oder Informations- und Kommunikationsmedien.

Barrierefreiheit kommt allen zugute. Menschen mit Behinderung profitieren davon ebenso wie Ältere, Eltern, Kinder oder Menschen, die zeitweise mobilitätseingeschränkt sind.

Die Erklärung, die auch den Parteien vorgelegt wird, die sich zur Bundestagswahl stellen, kann hier abgerufen werden:

Gemeinsame Erklärung für Barrierefreiheit zur Bundestagswahl 2017


Zitate des Verbändebündnisses zur gemeinsamen Erklärung:

 

Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland:
„Barrierefreiheit ist ein Menschenrecht. An dieser Tatsache muss sich vor allem auch die kommende Bundesregierung messen lassen. Solange die privaten Anbieter von Gütern und Dienstleistungen von der Verpflichtung zur Barrierefreiheit ausgenommen bleiben, sind Menschen mit Behinderung als Kunden oder Patienten benachteiligt.“

Prof. Dr. Ursula Lehr, stellv. Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen:
„Immer mehr Menschen erreichen ein immer höheres Lebensalter. Unsere Wirtschaft, unsere Verkehrssysteme, unsere Produkte, unsere Kommunen, unsere Stadtplanung sind aber noch zu wenig auf die zunehmende Zahl von Älteren eingestellt. Durch Barrieren werden ältere Menschen oft erst zu behinderten Menschen gemacht.“

Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands:
„Barrierefreiheit lohnt sich für alle: Nicht nur Menschen mit Behinderungen profitieren, sondern auch Ältere, Kinder, Eltern und alle, die zeitweise in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Deshalb müssen barrierefreie Produkte und Dienstleistungen zum Standard werden.“

Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes – Gesamtverband:
„Der Lebensalltag der Menschen, ob mit oder ohne Behinderung, spielt sich überwiegend außerhalb von Ämtern und Verwaltungsgebäuden ab. Es greift daher zu kurz, wenn im neuen Behindertengleichstellungsgesetz Barrierefreiheit nur für öffentliche Gebäude verbindlich vorgeschrieben ist. Was wir brauchen, ist Barrierefreiheit im Kaufhaus und im Kino genauso wie in der Gaststätte und der Apotheke oder der Arztpraxis im Kiez. Statt weiter auf Freiwilligkeit zu hoffen, muss der Gesetzgeber hier nachbessern, auch private Anbieter in die Pflicht nehmen und geeignete Förderprogramme entwickeln.“

Adolf Bauer, Präsident des Sozialverbands Deutschland e. V. (SoVD):
„Treppen vor Arztpraxen und Apotheken, fehlende Orientierungshilfen in Krankenhäusern, eingeschränkte Servicezeiten am Bahnhof für Einstiegshilfen. Diese Hürden verstellen behinderten Menschen den Zugang zur gesundheitlichen Versorgung. Und deshalb müssen sie endlich beseitigt werden.“

Prälat Dr. Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes: „Für die Caritas ist die Schaffung einer inklusiven Gesellschaft, in der Menschen mit Behinderung gemeinsam mit anderen lernen, wohnen, arbeiten und ihre Freizeit gestalten ein zentrales Ziel. Hierzu zählt insbesondere, dass Wohnen mitten im Quartier ermöglicht werden muss, damit Menschen mit Behinderung selbst bestimmen können, mit wem sie zusammenleben wollen. Ebenso muss bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum für Menschen mit Behinderung sowie eine barrierefreie Infrastruktur in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen.“

Brigitte Döcker, Vorstandsmitglied AWO Bundesverband e. V.:
„Barrieren halten Menschen davon ab, einfach nur Kunde, Gast, Mieter oder Patient sein zu können. Auch in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, existieren in vielen Lebensbereichen unnötige Hindernisse. Diese Barrieren abzubauen, muss endlich als Entwicklungsaufgabe für Wirtschaft und Gesellschaft verstanden werden. Unsere Forderung lautet daher: Schaffen Sie Zugänge – investieren Sie in Barrierefreiheit!“

Ulrich Syberg, Bundesvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs:
„Barrierefreiheit nützt nicht nur Menschen mit Behinderungen. Ausreichend große Aufzüge zum Bahnsteig und abgesenkte Bordsteine helfen allen – egal, ob sie mit Rollstuhl, Rollator oder Fahrrad unterwegs sind. Auch in Wohn- und Geschäftsgebäuden machen rollend zugängliche Räume vielen den Alltag leichter. Und gegenseitige Rücksichtnahme hilft auch dabei, dass sich alle Menschen möglichst einfach und konfliktfrei fortbewegen können.“

Frank Böhnke, Präsidiumsmitglied Deutsche Bahnkunden-Verband:
„Mobilität ist in unserer Gesellschaft selbstverständlich und Grundvoraussetzung für jegliche Teilhabe. Genauso selbstverständlich muss auch die durchgängige und vollständige Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehr werden. Dafür setzt sich der Deutsche Bahnkunden-Verband in Zusammenarbeit mit den anderen Spitzenverbänden ein.“

Renate Reymann, Präsidentin des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes:
„Blinde Menschen orientieren sich taktil und akustisch. Mit dem „Zweisinneprinzip“ kann für sie Umwelt barrierefrei gestaltet werden. Sehbehinderte Menschen brauchen Kontraste und Beleuchtung. Blinde wie auch sehbehinderte Menschen erhalten Zugang zu digitalen Medien und Anwendungen, wenn sie nach den Regeln der Barrierefreiheit konzipiert sind. Was für Menschen mit schwerer Seheinschränkung Teilhabe sichert, schafft Komfort auch für Brillenträger, Menschen mit Leseproblemen und viele Andere. Deshalb brauchen wir verbindliche Schritte zu mehr Barrierefreiheit, eine Initiative: Barrierefreies Deutschland.“

Florian Becker, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbund e. V.:
„Wer heute baut oder eine Immobilie kauft, sollte immer die Barrierefreiheit des Gebäudes mit im Blick haben. Andernfalls drohen Folgen wie Komforteinbußen, wirtschaftliche Nachteile bis dahin, dass Objekte nicht wie beabsichtigt genutzt werden können. Damit das barrierefreie Bauen und Wohnen keine Frage der finanziellen Möglichkeiten der privaten Bauherren, Käufer und auch Mieter bleibt, bedarf es einer aufgabengerechten finanziellen Förderung durch die öffentliche Hand.“

Detlef Neuß, Vorsitzender des Fahrgastverbandes PRO BAHN e. V.:
„Barrierefreiheit in allen öffentlichen Verkehrsmitteln hat für uns sehr große Bedeutung.“

Claudia Forster-Bard, 1. Vorsitzende Bundesverband hauswirtschaftlicher Berufe e. V.:
„Hauswirtschaft unterstützt Menschen jeden Alters in vielen Lebenssituationen und braucht dazu Barrierefreiheit. Denn behindert ist man nicht, behindert wird man.“

Angelika Wollgarten, Bundesvorsitzende VerbraucherService im Katholischen Deutschen Frauenbund e. V.:
„Wir fordern den barrierefreien Zugang von Frauen mit Beeinträchtigungen zu medizinischer Versorgung, zu Rehamaßnahmen sowie (frauen-)ärztlichen und psychotherapeutischen Einrichtungen sicherzustellen.“